Brüder Grimm in Kassel

Die Brüder Grimm zählen neben der documenta und dem Bergpark zu den zentralen Anziehungspunkten in der Stadt Kassel. Generationen von Kindern sind mit den in mehr als 170 Sprachen übersetzten "Kinder- und Hausmärchen" aufgewachsen. Sie verbinden Völker und bilden den Spannungsbogen zwischen Tradition und Moderne.

Ihre Kasseler Zeiten beschrieben die Brüder Grimm als die "arbeitsamste und vielleicht fruchtbarste Zeit" ihres Lebens. Nicht nur die "Kinder- und Hausmärchen" wurden hier von Jacob und Wilhelm Grimm zusammengetragen, auch zahlreiche weitere Werke mit weltweiter Wirkung wie zum Beispiel die "Deutsche Grammatik" und das "Deutsche Wörterbuch" haben von Kassel aus ihren Weg und ihre weltweite Wirkung begonnen.

Brüder Grimm-Museum

Das Brüder Grimm-Museum Kassel ist eine Museums-und Forschungsinstitution mit internationalem Charakter. Die ständige Ausstellung über Leben und Werk der Brüder Grimm dokumentiert chronologisch fortlaufend ihre wichtigsten Lebensstationen im Zusammenhang ihres wissenschaftlichen und politischen Wirkens.

Den Grundstock der Sammlungen bilden Handschriften der Brüder Jacob und Wilhelm Grimm, Handexemplare und Manuskripte ihrer Veröffentlichungen, Erinnerungsstücke aus verschiedenen Nachlässen der Familie Grimm und ihrer Nachfahren.

Aus den Haushalten der Grimms stammen Möbel, Glas, Porzellan, Silber und zahlreiche andere Lebenserzeugnisse. Bedeutend ist auch der Bestand an Werken des Malerbruders Ludwig Emil Grimm, der das Leben von Jacob und Wilhelm Grimm auf vielfältige Weise zeichnerisch begleitet hat und bis zu seinem Lebensende an der Bellevue wirkte und wohnte.

Weitere Schwerpunkt der Sammlungen sind die wissenschaftlichen Arbeitsbereiche der Brüder Grimm sowie ihr politisches Wirken.

Bibliothek & Archiv

Die Sammlungen des Brüder Grimm-Museums Kassel und der Brüder-Grimm-Gesellschaft e.V. mit derzeit etwa 50.000 Einheiten versuchen alle Aspekte des Lebens, des Werkes und der weltweiten Wirkung der Brüder Jacob und Wilhelm Grimm zu erfassen und zu dokumentieren.

Verwaltung, Bibliothek und Archiv des Brüder Grimm-Museums

Institution: Museumsleitung
Ansprechpartner: Dr. Bernhard Lauer
Telefon: 0561 / 103235
Telefax: 0561 / 713299
E-Mail: grimm-museum@t-online.de
Anschrift: Brüder Grimm-Platz 4
34117 Kassel
ÖPNV: Fahrplanauskunft
Stadtplan: Lage im Stadtplan

Öffnungszeiten

Montag: 9.00 - 12.00 Uhr und 14.00 - 16.00 Uhr
Dienstag: 9.00 - 12.00 Uhr und 14.00 - 16.00 Uhr
Mittwoch: 9.00 - 12.00 Uhr und 14.00 - 16.00 Uhr
Donnerstag: 9.00 - 12.00 Uhr und 14.00 - 16.00 Uhr
Freitag: 9.00 - 12.00 Uhr
Öffnungszeiten für Archiv & Bibliothek auch nach Vereinbarung

Brüder Grimm-Museum

Die documenta Stadt Kassel plant in dem Gartendenkmal "Weinberg" den Neubau einer Brüder Grimm-Welt, in der die Sammlung des Brüder Grimm-Museums mit einem daran angeschlossenen interaktiv angelegten Erlebnis- und Wissensbereich neu präsentiert wird.

Bis zu der für 2014 geplanten Fertigstellung des Neubaus wir die Sammlung des Brüder Grimm-Museums weiter im Palais Bellevue zu sehen sein. Das historische Gebäude wird zurzeit umfassend saniert und im Herbst 2011 wieder eröffnet.

Aktuelle Präsentationen zu Grimm

Trotz Schließung der Ausstellung sind Bibliothek, Archiv und Verwaltung des Brüder Grimm-Museums am Brüder Grimm-Platz 4 vormittags von 9-12 und Montag bis Donnerstag von 14-16 Uhr sowie nach Vereinbarung geöffnet, Telefon:0561-103235. Von der Museumsleitung werden Einführungen zu Leben und Werk der Brüder in Kassel angeboten.

Stadtführungen "auf den Spuren der Grimms" bietet die Kassel Marketing GmbH an, Telefon: 0561-707707.

Neue Grimm-Ausstellungen in Kassel

Das Palais Bellevue, in dem das Brüder Grimm-Museum seit 1972 seine Ausstellungen präsentierte, wird zur Zeit saniert. Bis zum Herbst 2011 ist das Museum daher in temporäre Schauräume am Brüder Grimm-Platz / Ecke Friedrichstraße eingezogen und präsentiert dort zwei neue Ausstellungen, die von Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr bei freiem Eintritt besichtigt werden können. Auf rechtzeitige vorherige Anfrage werden auch Führungen in deutscher, englischer, französischer, russischer und japanischer Sprache angeboten.

Die Rabe und die Rübe - Unbekannte Märchen der Brüder Grimm neu entdeckt

Die "Kinder- und Hausmärchen" der Brüder Grimm sind weltbekannt. Übersetzungen und Nachdichtungen lassen sich in mehr als 160 Sprachen und Kulturdialekten aller Erdteile nachweisen. Literarische, künstlerische und andere Bearbeitungen erscheinen in vielen Bereichen des öffentlichen Lebens: in sprachlichen und gedanklichen Bildern, in Kinderbüchern und Kunstpressendrucken, auf Zeichnungen und Graphiken, in der Musik und im Theater, in Computerspielen und im Internet, als Redensart oder Karikatur in der Tagespresse, als Werbeslogan in politischen und kommerziellen Verlautbarungen. Wirklich geläufig sind jedoch nur etwa zwei Dutzend Märchen, während die übrigen Erzählungen aus der 1812 und 1815 erstmals erschienenen (übrigens völlig unbebilderten) Grimmschen Sammlung einem größeren Publikum wenig oder gar nicht bekannt wurden. Erst nach dem großen Erfolg der von George Cruikshank (1792-1878) durchgängig illustrierten ersten englischen Ausgabe der "Kinder- und Hausmärchen" (London 1823) gaben die Brüder Grimm 1825 eine Teilausgabe ihrer Märchen in einem Band heraus, für die ihr "Malerbruder" Ludwig Emil Grimm (1790-1863) sieben Illustrationen lieferte. Diese sog. "Kleine Ausgabe" enthielt 50 ausgewählte Texte und erschien zu Lebzeiten ihrer Herausgeber bis 1858 zehnmal. Erst damit entwickelte sich die Grimmsche Märchensammlung allmählich zum großen "Kinder- und Erziehungsbuch" (Wilhelm Grimm), das man in aller Welt kennt und dessen Erfolg bis heute ungebrochen ist. Unter den in dieser "Kleinen Ausgabe" enthaltenen Texten finden sich in erster Linie die berühmten Zaubermärchen mit teils deutlichen Anklängen an die romantische Erzähltradition sowie verschiedene bekannte Schwankmärchen. Unter dem Einfluss des seit Mitte des 19. Jahrhunderts stärker werdenden Interesses der Bildenden Kunst an volkstümlichen Erzählstoffen entwickelte sich auf dieser Grundlage schließlich jener Kanon von etwa zwei Dutzend Märchen, die fortan im Mittelpunkt der weltweiten Rezeption der Grimmschen Sammlung standen und bis heute stehen. In der von der Brüder Grimm-Gesellschaft entwickelten und von der Arbeitsgemeinschaft Literarischer Gesellschaften aus Mitteln des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien finanziell geförderten Ausstellung werden zum einen unbekannte Aspekte in der Überlieferung und Darstellung so bekannter Märchen wie "Sneewittchen" oder "Dornröschen" präsentiert, zum anderen werden aber vor allem weniger bekannte Märchen behandelt, die nicht zum Kanon der weltweiten Tradition gelangten, jedoch in ihrer herausragenden poetischen Qualität neu entdeckt werden können. Neben verschiedenen Text- und Bilddokumenten werden auch speziell für die Ausstellung gefertigte und künstlerisch dreidimensional gestaltete Module zu "unbekannten" Märchen präsentiert.

Die Brüder Grimm - Leben, Werk und Wirkung kompakt dargestellt

Eine weitere Ausstellung stellt in kompakter Weise mit deutsch- und englischsprachiger Dokumentation das Leben und Wirken der Kasseler Märchensammler in ausgewählten Text- und Bilddokumenten vor und versteht sich vor allem als Grundinformation für Touristen, die aus aller Welt nach Kassel anreisen und die Ausstellungen im zur Zeit in Sanierung befindlichen Palais Bellevue nicht aufsuchen können. Auch der Museumsshop mit zahlreichen Märchenbüchern, philologischen Veröffentlichungen und Postkarten wurde in den Schauräumen eingerichtet.

Neu im Museumsshop

Ludwig Hassenpflugs Jugenderinnerungen

Die Geschwister Hassenpflug gehörten schon früh zum Kasseler Freundeskreis der Brüder Grimm und hatten einen nicht unbedeutenden Einfluss auf Ihr Leben und auch ihre Werke. Die Schwestern Hassenpflug – vor allem Marie, Jeanette und Amalie – gelten als die wichtigsten Beiträgerinnen zum ersten Band der "Kinder- und Hausmärchen" der Brüder Grimm und bilden über ihre hugenottische Familientradition ein wichtiges Bindeglied zwischen der französischen und deutschen Märchenüberlieferung. Auch ihr Bruder Ludwig Hassenpflug (1794-1862) gehörte dem familiären Kreis der Grimms an. Nach dem Studium der Rechte in Göttingen wurde er 1821 Obergerichtsrat am Oberappellationsgericht in Kassel und heiratete hier 1822 die einzige Schwester Charlotte Amalie (gen. "Lotte"; 1793-1833) der Brüder Grimm; aus dieser Ehe gingen vier (überlebende) Kinder hervor. Er wirkte von 1832 bis 1837 in Kurhessen als Minister der Justiz und des Innern, war nach seiner Entlassung in verschiedenen Funktionen in Sigmaringen, Luxemburg, Berlin und Greifswald tätig, bevor er von 1850 bis 1855 nochmals zum kurhessischen Staatsminister ernannt wurde. Er starb in Marburg und liegt auch dort begraben. Seine Jugenderinnerungen haben sich in der Familie Hassenpflug in Form einer photomechanischen Kopie sowie einer Abschrift erhalten, während das Original seit dem zweiten Weltkrieg verschollen ist und vermutlich vernichtet wurde. Dieses wichtige Zeitdokument wird nunmehr in den Kasseler "Quellen zur Brüder Grimm-Forschung" erstmals in kritisch kommentierter Weise herausgegeben.

Ludwig Hassenpflug: Jugenderinnerungen 1794 bis 1821. Herausgegeben von Klaus Hassenpflug (Unter Mitarbeit von Ewald Grothe und Bernhard Lauer). Kassel: Brüder Grimm-Gesellschaft, 2010. 381 Seiten (= Quellen zur Brüder Grimm-Forschung, 4) – ISBN: 978-950614-14-8 – Preis: 49,80 Euro. Direkte Bestellungen nimmt der Verlag der Brüder Grimm-Gesellschaft (Brüder Grimm-Platz 4, 34117 Kassel; grimm-gesellschaft@web.de ; www.grimms.de ) entgegen.

Auf den Spuren der Brüder Grimm in Kassel und Baunatal

Seit 1972 ist das Brüder Grimm-Museum im Palais Bellevue an Kassels einstiger Prachtstraße "Schöne Aussicht" (bis 2011 wegen Sanierung geschlossen) beheimatet, - Grund genug, hier einen Rundweg zu den Grimm-Orten in Kassel beginnen zu lassen und zahlreiche Touristen aus aller Welt auf die "Spuren der Brüder Grimm" zu schicken. Die Brüder Jacob und Wilhelm Grimm sind in Hanau geboren, in Berlin liegen sie begraben. Ihre entscheidenden Jahre – "die arbeitsamste und vielleicht auch fruchtbarste Zeit" – haben sie jedoch in Kassel verbracht. Alle wichtigen Werke der Brüder Grimm sind hier entweder entstanden oder doch zumindest begonnen worden, und zahlreiche Briefe und Berichte an Freunde und Kollegen zeugen von ihrer großen Verbundenheit mit Kassel. Leider haben viele der Lebens- und Wirkungsstätten der Brüder Grimm die verheerende Bombennacht vom 22. Oktober 1943 und den nachfolgenden Wiederaufbau nicht überstanden. Das heutige Kassel hat fast nichts mehr mit der Stadt gemein, in der Jacob und Wilhelm Grimm über dreißig Jahre ihres Lebens verbrachten. Aber dennoch gibt es sie, die sehenswerten authentischen Orte in Kassel, die eng mit dem Leben von Jacob und Wilhelm Grimm und ihrem jüngeren "Malerbruder" Ludwig Emil Grimm verknüpft sind. Mit Unterstützung der Arbeitsgemeinschaft "Deutsche Märchenstraße", der "Nordhessen-Touristik", dem "Heimatverein Dorothea Viehmann" in Niederzwehren und einiger Kasseler Gastronomen und Firmen sind im Verlag der Brüder Grimm-Gesellschaft zwei kleine Reiseführer erschienen, und zwar "Auf den Spuren der Brüder Grimm in Kassel" und "Auf den Spuren der Märchenfrau Dorothea Viehmann in Kassel und Baunatal", der die Besucher unserer nordhessischen Region dazu einladen soll, sich auf eine Entdeckungsreise zu diesen authentischen Orten zu begeben.

Die sechzehn Seiten umfassenden Farbbroschüren mit Stadtplan sind in der Verwaltung des Brüder Grimm-Museums Kassel (Brüder Grimm-Platz 4, 34117 Kassel, Tel. 0561-103235), im Museumsshop sowie über den Buchhandel erhältlich. Sie kosten jeweils 3,50 Euro (beide zusammen 6,00 Euro); sie können auch über die Verlagsabteilung der Brüder Grimm-Gesellschaft ( www.grimms.de ) direkt bezogen werden. Im Sommer bietet die Brüder Grimm-Gesellschaft auch qualifizierte Führungen für Gruppen zu den authentischen Grimm-Orten in Kassel und Umgebung an (zu erfragen über Tel.: 0561-103235).

Stadtverwaltung der Stadt Kassel