MRSA-Informationen der Gesundheitsämter Stadt und Landkreis Kassel

Hygienemaßnahmen beim Umgang mit MRSA (Methicillin-resistente Staphylococcus aureus) in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen

Bedeutung der MRSA

Staphylococcus aureus ist ein Keim, der häufig am Körper des Menschen anzutreffen ist, ohne eine Krankheit zu verursachen. Man findet ihn häufig in der Nase, im Rachen, in der Leistengegend, im Darmbereich, mitunter auch in Wunden und im Blut.  

MRSA:
Methicillin-resistente Staphylococcus aureus ist ein Staphylococcus aureus mit Resistenzen gegen viele Antibiotika. Diesen Keim findet man oft in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen bei imungeschwächten Patienten und Bewohnern.
MRSA wird fast immer durch körperlichen Kontakt (besonders über Hände) und seltener durch die Luft auf Andere übertragen. Die Übertragung über die Hände ist der entscheidende Übertragungsweg.
Um einer Ausbreitung von MRSA in Kranken- und Pflegeeinrichtungen entgegenzuwirken, ist es wichtig, bestimmte hygienische Vorkehrungen zu treffen.
Dabei handelt es sich um allgemeine und spezielle Maßnahmen, die auf den folgenden Seiten im Einzelnen beschrieben werden.

Allgemeine Maßnahmen

Das Personal und die behandelnden Ärzte müssen über MRSA informiert sein. Nur eingewiesenes, informiertes Personal soll MRSA-positive Patienten/Bewohner betreuen.
Bewohner/Mitbewohner/Angehörige/Familien sind über Kolonisation und/oder Infektion sowie Hygiene- und Vorsichtmaßnahmen zu informieren.
Laut Infektionsschutzgesetz § 6 (3) besteht Meldepflicht für ein gehäuftes Auftreten nosokomialer Infektionen, bei denen ein epidemischer Zusammenhang wahrscheinlich ist oder vermutet wird, d.h. ab zwei oder mehreren Fällen in der Einrichtung.
Ein MRSA-Maßnahmenplan ist einrichtungsbezogen zu erstellen

Informationen über MRSA-Träger

Patienten mit MRSA-Nachweis im Krankenhaus/Pflegeheim sind den behandelnden Ärzten bzw. dem Hausarzt als solche mitzuteilen; von den Ärzten sind die entsprechenden Maßnahmen zu veranlassen. 
Wenn Patienten/Bewohner, die MRSA-Träger sind, in ein Krankenhaus eingewiesen werden, sind die behandelnden Ärzte des Krankenhauses zu informieren. Auch bei der Verlegung von Mitbewohnern eines MRSA-Trägers ist dies zu empfehlen. Die Informationspflicht besteht selbstverständlich genauso in umgekehrter Richtung.  
Rettungs- und Krankentransportdienste sind darüber zu unterrichten, dass der Transport als Infektionsfahrt stattfinden sollte.

Aufenthalt im Krankenhaus

Folgende Maßnahmen müssen bei Nachweis von MRSA durchgeführt werden:
  • Einzelzimmerunterbringung des Patienten (Isolation)
  • Sorgfältige Händehygiene : Händedesinfektion vor und nach jedem Patientenkontakt und nach Ablegen von Handschuhen und Kittel !
  • Tragen von Schutzhandschuhen und eines Schutzkittels
  • Tragen eines Mund-Nasenschutzes bei Atemwegsbesiedlung des Patienten (verhindert die Besiedlung der eigenen Nase mit MRSA)
  • Diagnostik/Operationen immer am Programmende. Flächendesinfektion erforderlich
  • Bei Verlegung/Konsiluntersuchungen sollte der Patient begleitet werden. Die zuständige Abteilung ist vorab zu informieren
  • Bei Verlegung/Entlassung muss immer sowohl der Krankentransport als auch die Aufnahmeeinrichtung (Krankenhaus, Altenheim; Hausarzt, ambulante Dienste) informiert werden
  • Die Isolation kann beendet werden, wenn die entsprechenden Voraussetzungen (siehe unter "Therapie") gegeben sind.

Aufenthalt in Pflegeeinrichtungen

MRSA - besiedelte Bewohner ohne offene Wunde und ohne invasive Maßnahmen können notfalls ein Zimmer mit anderen teilen, wenn diese ebenfalls keine offenen Wunden, invasive Maßnahmen oder eine Immundefizienz haben.

MRSA-positive Bewohner, die:
  • offene Wunden haben
  • Katheter-. Sonden-. Tracheostomaträger sind
  • eine schwere, akute Atemwegsinfektionen haben
sind grundsätzlich in einem Einzelzimmer unterzubringen.

Therapie/Sanierung

Eine im Krankenhaus begonnene Therapie oder eine Sanierung ist nach genauer Anweisung des Krankenhauses unter ärztlicher Kontrolle zu Ende zu führen. Auch außerhalb von Krankenhäusern sollte im Falle des Auftretens von MRSA regelhaft eine Sanierung versucht werden.
Bei gesunden Kolonisierten ist der Sanierungszeitraum fünf Tage, bei Patienten mit schwerwiegenden Grunderkrankungen oder Zeichen der klinischen MRSA-Infektion sind Sanierungszeiträume von 10 bis 15 Tagen zu veranschlagen.
Zur Erfolgskontrolle sind drei Abstriche im Abstand von 24 Stunden aus der Nase, Leiste zu entnehmen, wobei die erste Abstrichkontrolle frühestens 72 Stunden nach beendeter Therapie erfolgen darf.
Wöchentliche Abstrichkontrollen (Lokalisationen: Nase, Rachen, Wunden, Hautläsionen, Trachealsekret (bei Beatmeten), Urin bei katheterisierten Patienten; weitere Lokalisationen) können im Einzelfall nach Absprache mit dem Krankenhaushygieniker erforderlich werden.
Aufhebung der Isolierung: wenn jeweils drei Abstriche von allen besiedelten/infizierten
Regionen im Abstand von je 24 Stunden negativ sind.

Allgemeine Hygienemaßnahmen

Sorgfältige Händehygiene: Händedesinfektion vor und nach jedem Patientenkontakt  
Einmalhandschuhe sind bei der Versorgung von Wunden, Tracheostomata und Kathetern bzw. Sonden anzulegen. Sie werden danach sofort vor weiteren Tätigkeiten im Zimmer ausgezogen und entsorgt. Anschließend erfolgt eine hygienische Händedesinfektion.
Schutzkittel oder Einmalschürzen sind grundsätzlich patienten-/bewohnergebunden bei der Wund-, Verweilkatheter- bzw. Sonden- und Tracheostomapflege sowie bei Kontakt mit Körpersekreten und Exkrementen anzulegen. Die Schutzkleidung wird vor dem Verlassen des Zimmers ausgezogen. Sie verbleibt im Zimmer, anschließend ist eine hygienische Händedesinfektion durchzuführen. Die Schutzkleidung wird täglich gewechselt, bei sichtbarer Kontamination sofort. Ein Mund-Nasen-Schutz ist beim Personal dann erforderlich, wenn MRSA-haltige Aerosole entstehen können, z.B. unter folgenden Bedingungen:
  • bei nasopharyngealer Besiedlung des Patienten
  • beim Wundverbandswechsel
  • beim Absaugen von Trachealsekreten
  • bei großflächig infizierten ekzematösen Hautarealen
  • beim Bettenmachen bzw. Wechseln der Bettwäsche
Pflegemittel sind patienten-/bewohnerbezogen zu verwenden und im Zimmer zu belassen oder sie sind vor Anwendung an anderen Patienten/Bewohnern gründlich zu desinfizieren. Die Konzentrationen und Einwirkzeiten der jeweiligen Hände-Flächen und Instrumentendesinfektionsmittel sind zu beachten (Herstellerangabe). Es dürfen nur VAH (Verband für angewandte Hygiene) gelistete Produkte verwendet werden.

Hygienemaßnahmen im Patienten-/Bewohnerzimmer

Die Körperwäsche, Handtücher und Waschlappen und Bettwäsche sind täglich zu wechseln und bei Temperaturen über 60°C maschinell desinfizierend aufzubereiten. Die Wäsche ist im Zimmer zu sammeln. Der Waschsack ist im Zimmer zu verschließen.
  • Tägliches Waschen, Duschen oder Baden mit antiseptischen Lotionen, möglichst mit Haarwäsche
  • Kein Fönen der Haare / Kein Roll-on-Deo
  • Tägliche Flächendesinfektion der patientennahen Flächen und Gegenstände (Stethoskop, Blutdruckmanschette, Notrufklingel, Haltegurt, Bettgalgen, Tastenfelder, Radio/Fernseher, Türgriffe, personenbezogene Gegenstände wie Brille, Prothese, Kamm, Hörgeräte, etc) incl. Nasszelle; die Desinfektionsmaßnahmen sollen in zeitlichem Zusammenhang mit Bett- und Nachtwäschewechsel stattfinden.
  • Nach Beendigung der Isolation sind zusätzlich Bettdecke, Kissen und Vorhänge in die Wäscherei zu geben, Bettgestell und Matratze sind zu desinfizieren, Einmalartikel sind zu verwerfen, Instrumente zu desinfizieren
  • Der Reinigungsdienst ist über die Maßnahmen bei Patienten/Bewohnern mit MRSA zu unterrichten und einzubeziehen
  • Instrumente, Spritzen, medizinische Abfälle werden in dicht verschließbare Behältern bzw. in Plastiksäcken im Zimmer gesammelt und wie üblich entsorgt bzw. wieder aufbereitet.
  • Besucher sollten gleichfalls Schutzkleidung tragen und vor Verlassen des Patientenzimmers eine Händedesinfektion durchführen.
Für Patienten/Bewohner die mit MRSA-Patienten ein Zimmer geteilt haben, gilt:
  • 1-mal Screening (Nase, Leiste, evtl. vorhandene Wunde)
  • Wenn positiv: Sanierung
  • Wenn negativ: Keine Isolation, keine weiteren Maßnahmen erforderlich

Verlegung und Transport

Vor Transport führt der Patient eine Händedesinfektion durch und trägt frische Kleidung und bei Bedarf eine Kopfbedeckung und Mundschutz.
Bei Vorliegen einer Wundinfektion wird direkt vor dem Transport ein Wundverbandswechsel durchgeführt.
Bei nasopharyngealer Besiedlung trägt der Patient einen Mund-Nasen-Schutz.
Die Transporttrage oder -liege ist nach Gebrauch zu desinfizieren. Informationen der Abteilung, die aufgesucht wird, zur Veranlassung notwendiger Schutz- und Desinfektionsmaßnahmen; möglichst Terminvergabe am Ende des Tagesprogramms.

Personalbezogene Maßnahmen bei gehäuft auftretendem MRSA

Personaluntersuchungen bei gehäuftem Auftreten in Absprache mit dem beratenden Krankenhaushygieniker bzw. Betriebsarzt.
Mikrobiologische Kontrollen: Nasen- und Rachenabstriche, ggf. Abstriche von Hautläsionen und anderen Lokalisationen.
Bei nasopharyngealer Besiedlung des Personals: Behandlung durch ein antiseptisches Gel (Creme, Salbe) drei mal täglich über fünf Tage. Erste Abstrichkontrolle 72 Stunden nach der letzten Applikation bis drei negative Befunde im Abstand von 24 Stunden vorliegen. Weitere Kontrollabstriche nach vier Wochen und zwölf Monaten; bei fehlender Sanierung, Einbeziehung des häuslichen Umfeldes.
Wiedereinsatz betroffenen Personals in der Regel erst nach drei negativen Abstrichen (zwingend in infektionsgefährdeten Bereichen, z. B. Intensiv, Op, Transplantationseinheiten, Verbrennungsstation, Onkologie), frühestens jedoch 48 Stunden nach Beginn der Therapie.
Tägliches Duschen mit antiseptischer Lotion.